Zum Weltfrauentag: Mária Telkes – die „Sun Queen“ der Solarenergie
Der Internationale Weltfrauentag erinnert auch daran, wie viele technische Innovationen von Frauen mitgestaltet wurden – oft weniger sichtbar, aber nicht weniger prägend. Gerade in der Energiegeschichte lohnt sich daher ein Blick auf eine Pionierin, deren Ideen ihrer Zeit weit voraus waren: Mária Telkes.
Von Budapest in die amerikanische Forschung
Kaum eine Persönlichkeit verbindet historische Pionierarbeit so unmittelbar mit unserer heutigen Rolle als nachhaltiger Energieversorger wie Mária Telkes.
Die in Ungarn geborene physikalische Chemikerin und Biophysikerin widmete ihr Leben einer Energiequelle, die damals kaum jemand ernst nahm: der Sonne.
Telkes wurde am 12. Dezember 1900 in Budapest geboren. Dort studierte sie physikalische Chemie und promovierte 1924. Obwohl ihr die Universität anschließend eine Dozentenstelle anbot, entschied sie sich zunächst für einen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten.
Aus dieser Reise wurde ein neues Leben. Telkes arbeitete zunächst an der Cleveland Clinic Foundation, später bei Westinghouse Electric und schließlich am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort konzentrierte sich ihre Forschung zunehmend auf ein Gebiet, das damals noch visionär war: die Nutzung von Sonnenenergie.
Über mehr als fünf Jahrzehnte arbeitete sie daran, Sonnenenergie praktisch nutzbar zu machen.
Das Dover Sun House – ein Meilenstein der Solararchitektur
1948 entstand in Dover, Massachusetts, ein außergewöhnliches Experiment: das Dover Sun House.
Gemeinsam mit der Architektin Eleanor Raymond entwickelte Mária Telkes eines der ersten nahezu vollständig solarbeheizten Wohnhäuser der Welt.
Das Konzept basierte auf Solarthermie. Große Südfenster fingen die Sonnenwärme ein. Diese wurde anschließend in einem chemischen Speichersystem auf Basis von Natriumsulfat (Glaubersalz) gespeichert.
Das Salz konnte Wärme aufnehmen und später wieder abgeben – etwa an kalten oder bewölkten Tagen. Ziel war es, das Haus mehrere Tage ohne direkte Sonneneinstrahlung beheizen zu können.
Das Projekt blieb experimentell, doch es bewies eindrucksvoll: Gebäude können mit Sonnenenergie versorgt werden.
Mehr entdecken: Weitere Einblicke in die Funktionsweise des Dover Sun House auf der Seite „American Experience“ (auf Englisch).
Visionäre Forschung zur Sonnenenergie
In der US-Presse wurde Mária Telkes aufgrund ihrer Arbeiten bald als „Sun Queen“ bezeichnet. Sie entwickelte innovative solarthermische Systeme und beschäftigte sich intensiv mit der Speicherung von Sonnenenergie.
1951 formulierte sie eine Überzeugung, die heute aktueller ist denn je:
„Solar energy is our greatest untapped energy resource and future development in its utilization should be regarded as one of the most important and fruitful projects.“
„Solarenergie ist unsere größte unerschlossene Energiequelle, und ihre zukünftige Nutzung sollte als eines der wichtigsten und fruchtbarsten Vorhaben betrachtet werden."
Was damals visionär klang, prägt heute zunehmend unsere Energieversorgung.
Für Energieversorger wie die Maintal Werke ist dieser Gedanke zentral: Energie dort zu nutzen, wo sie entsteht.
Erfindungen, die Sonnenenergie nutzbar machen
Mária Telkes arbeitete vor allem im Bereich der Solarthermie und der Energiespeicherung.
Zu ihren wichtigsten Entwicklungen zählen:
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chemische Wärmespeicher auf Basis von Natriumsulfat-Decahydrat
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frühe Anwendungen von Phasenwechselmaterialien
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solarthermische Heizsysteme
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ein solarbetriebenes Destilliergerät zur Trinkwassergewinnung
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die Entwicklung früher Solarkocher
Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sie ein solarbetriebenes Destillationsgerät, das Meerwasser in Trinkwasser umwandeln konnte. Dieses kam auf Rettungsbooten der US-Navy zum Einsatz.
Später wurde das Prinzip auch zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung auf den Jungferninseln genutzt.
Als Mária Telkes 1995 im Alter von 95 Jahren starb, waren rund 20 Patente auf ihren Namen eingetragen – die meisten im Zusammenhang mit Solarenergie.
Weltfrauentag und Energiewende
Der Weltfrauentag steht für Sichtbarkeit und Chancengleichheit. Gerade in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen sind Frauen historisch unterrepräsentiert.
Internationaler Weltfrauentag
Der Internationale Weltfrauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen. Er steht weltweit für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und die Sichtbarkeit von Frauen in Gesellschaft, Wissenschaft und Arbeitswelt.
Seinen Ursprung hat der Aktionstag in der internationalen Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. 1911 wurde der Weltfrauentag erstmals in mehreren europäischen Ländern begangen.
Heute machen Veranstaltungen, Aktionen und Initiativen rund um den 8. März auf Fortschritte, aber auch auf weiterhin bestehende Herausforderungen aufmerksam – etwa bei der Gleichstellung in Politik, Wirtschaft und in naturwissenschaftlich-technischen Berufen.
Ein Blick auf Mária Telkes zeigt: Innovation war nie eine Frage des Geschlechts, sondern der Möglichkeiten, die Menschen erhalten.
Viele der Ideen, an denen sie bereits Mitte des 20. Jahrhunderts arbeitete, sind heute zentrale Bausteine moderner Energiesysteme.
Auch heute setzen wir auf erneuerbare Energien. Dass Solarenergie heute selbstverständlich genutzt werden kann, verdanken wir auch der Pionierarbeit von Wissenschaftlerinnen wie Mária Telkes.
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