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Fünf Freunde, ein Sudkessel – und eine ziemlich verrückte Idee

Wie aus einer Terrassenrunde die Brauerei Hopfünf in Maintal-Hochstadt entstand

Wer an einem Samstag in Maintal-Hochstadt an der kleinen Braustätte von Hopfünf vorbeikommt, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Bier. Es geht um Handwerk, Begegnung – und um eine Idee, die vor ein paar Jahren noch niemand so richtig ernst genommen hätte.

Fünf Freunde haben die Braustätte übernommen, brauen heute mehrere Sorten Bier – und sind damit Teil einer wachsenden regionalen Bierkultur geworden.

Timo Geibel von den Maintal Werken hat mit Peter Corell und Markus Kirchgeßner darüber gesprochen, wie alles begann, warum ihr Bier Zeit braucht – und warum ohne Energie hier kein Sud läuft.

„Beim ersten Mal haben wir noch gesagt: Auf gar keinen Fall.“

Timo Geibel: Ihr sagt selbst: „Aus einer verrückten Idee wird ein Bier.“ Wie hat diese Idee eigentlich angefangen?

Peter Corell: Angefangen hat es tatsächlich ziemlich unspektakulär. Markus und Andreas haben vorher privat gebraut – erst zu zweit, ganz klassisch auf der Terrasse.

Und irgendwann standen sie da nicht mehr zu zweit, sondern wir zu fünft. Wir haben uns einfach dafür interessiert, was sie da machen, haben mitprobiert, Fragen gestellt und irgendwann auch mitgemacht. Zu diesem Zeitpunkt hätte aber wirklich keiner gedacht, dass daraus mal eine Brauerei entstehen könnte.

Dann kam eher zufällig die Information auf, dass die Braustätte hier in Hochstadt aufgegeben werden sollte. Das haben wir zunächst nur am Rande mitbekommen. Wir haben uns darüber unterhalten, aber eher so nach dem Motto: „Ach, schade eigentlich.“

Und dann saßen wir irgendwann abends zusammen und einer hat gesagt: „Stell dir mal vor, wir würden das machen.“

Die erste Reaktion war natürlich: völliger Quatsch. Familie, Jobs, Verpflichtungen – wie soll das gehen?

Aber ein paar Monate später kam diese Frage noch einmal auf. Und diesmal haben wir nicht sofort abgewunken, sondern angefangen, ernsthaft darüber nachzudenken. Uns hat einfach der Gedanke nicht losgelassen, dass es schade wäre, wenn hier in Hochstadt über Jahre Bier gebraut wurde – und plötzlich gar nicht mehr.

Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man sich zu fünft in die Augen schaut und merkt: Wenn wir jetzt noch einmal nachhaken, dann wird es ernst. Und genau an diesem Punkt haben wir gesagt: Dann ziehen wir das jetzt auch durch.

Vom Hobby zum Wochenend-Braubetrieb

Timo Geibel: Ihr habt alle noch eure normalen Jobs. Ist das Ganze heute noch Hobby – oder ist es längst mehr geworden?

Markus Kirchgeßner: Ich glaube, es ist genau diese Mischung aus beidem. Wenn wir im Vorfeld alles komplett durchgeplant hätten, mit Businessplan, Investitionsrechnung und allem, was dazugehört, dann hätten wir es wahrscheinlich nicht gemacht. Manchmal ist es vielleicht ganz gut, nicht alles bis zum Ende zu denken.

Natürlich ist es inzwischen deutlich mehr als ein Hobby. Es hängt Verantwortung dran, Organisation, Kosten, Zeit. Aber gleichzeitig ist es auch weiterhin ein Ausgleich zu unserem normalen Berufsalltag.

Und genau diese Kombination macht es auch aus.

Timo Geibel: Gab es trotzdem Momente, in denen ihr gezweifelt habt?

Markus Kirchgeßner: Ja, die gab es. Vor allem, wenn man merkt, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Bier brauen klingt erst einmal romantisch – aber es geht eben auch um Logistik, um Organisation, um Formalitäten. Dann fragt man sich schon mal kurz, ob das alles so klug war.

Was wir aber nie wirklich infrage gestellt haben, war das Produkt selbst. Also ob das Bier gut ist und ob Menschen es trinken möchten. Das Feedback war von Anfang an sehr positiv. Und das motiviert natürlich.

Fünf Männer – viele Aufgaben

Timo Geibel: Wie organisiert man sich zu fünft? Gibt es klare Rollen oder macht jeder alles?

Peter Corell: Jeder kann vieles, aber nicht alles. Es gibt natürlich einen Grundstock an Arbeit – Brauen, Abfüllen, Flaschen spülen, etikettieren, Logistik. Da packen wir alle mit an.

Aber daneben gibt es schon gewisse Spezialisierungen. Markus und Andreas kümmern sich stärker um die Rezepturen und die Braukompetenz. Also darum, wie wir die Biere entwickeln und dokumentieren. Ein anderer kümmert sich mehr um Technik, Anlagen und alles, was hier an Infrastruktur dazugehört.

Und ich bin eher beim Thema Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Kontakt mit Kunden unterwegs.

Im Grunde ist es so: Wir haben immer einen, der in einem Bereich etwas tiefer drin ist. Und der zieht die anderen mit rein. Das funktioniert erstaunlich gut.

„Bei uns ist nur drin, was draufsteht.“

Timo Geibel: Was unterscheidet euer Bier von industriell gebrauten Produkten?

Peter Corell: Ich kann das ganz gut aus meiner eigenen Perspektive erklären. Am Anfang war ich ja eher der klassische Biertrinker – ich habe es gerne getrunken, aber mich nicht wirklich mit dem Prozess beschäftigt.

Unsere erste Grundregel war deshalb: Wir brauen nur Bier, das uns selbst schmeckt.

Und dann haben wir relativ schnell gemerkt, wie stark man Bier beeinflussen kann, obwohl man eigentlich nur mit vier Zutaten arbeitet: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.

Bei uns ist wirklich nur das drin, was auf dem Etikett steht. Keine Zusatzstoffe, keine Schaumstabilisatoren, keine Farbkorrekturen, nichts zur Haltbarmachung.

Markus Kirchgeßner: Für uns ist das Reinheitsgebot deshalb gar kein Marketingthema. Es ist einfach selbstverständlich.

Unser Bier ist unfiltriert und unpasteurisiert. Dadurch bleiben viele Aromen erhalten, die bei industriellen Prozessen teilweise verloren gehen.

Timo Geibel: Und das braucht Zeit.

Peter Corell: Genau. Je nach Rezept dauert es acht oder neun Wochen, bis ein Bier wirklich fertig ist. 

Es gibt bei uns keinen Punkt, an dem wir sagen: Jetzt muss das Bier raus, egal wie weit es ist. Wenn es nicht reif ist, gibt es das Bier eben noch nicht.

50 Hektoliter – und ziemlich ausgelastet

Timo Geibel: Wie viel Bier produziert ihr im Jahr?

Markus Kirchgeßner: Etwa 50 Hektoliter über alle Sorten hinweg.

Timo Geibel: Klingt nicht nach riesigen Mengen.

Peter Corell: Für uns ist das tatsächlich genau richtig. Unsere Brautage sind meistens am Wochenende, weil wir alle noch unsere regulären Jobs haben. Dafür ist es schon erstaunlich, was wir gemeinsam auf die Beine stellen.

Wir haben alles, was wir brauchen – aber auch nichts im Überfluss. Das ist für uns eine gute Balance.

Drei Sorten gehören zu unserem festen Programm: Helles, Pils und Red Lager. Dazu kommen saisonale Biere, zum Beispiel ein Bockbier im Winter.

Neue Sorten auszuprobieren ist natürlich spannend. Aber das bedeutet auch immer eine Abwägung. Wenn wir ein experimentelles Bier brauen, fehlen uns vielleicht 200 Liter von einer Sorte, die gerade stark nachgefragt wird.

Regional statt Regal

Timo Geibel: Könntet ihr euch vorstellen, stärker in den Handel zu gehen?

Markus Kirchgeßner: Rein kapazitiv wäre das schon eine Herausforderung. Wenn ein großer Händler plötzlich jede Woche größere Mengen haben möchte, müssten wir uns wahrscheinlich so weit strecken, dass wir unsere Stammkunden vertrösten müssten.

Und das wäre eigentlich nicht in unserem Sinne.

Peter Corell: Außerdem spielt bei unserem Bier die Kühlkette eine große Rolle. Unser Bier ist unfiltriert und unpasteurisiert. Das bedeutet: Die Lagerung muss stimmen. Deshalb arbeiten wir lieber mit regionalen Partnern – Hofläden oder Automaten, die unser Konzept verstehen und unterstützen.

Da reden wir nicht über riesige Mengen, sondern über kleinere, gut planbare Einheiten.

Weniger Bier – aber bewusster

Timo Geibel: Der Bierkonsum in Deutschland geht seit Jahren zurück. Spürt ihr das?

Markus Kirchgeßner: Die Statistiken sagen das sicher. Aber wir persönlich können das nicht bestätigen.

Peter Corell: Vielleicht trinken die Menschen insgesamt weniger Bier – aber bewusster. Wer zu uns kommt, will nicht einfach eine Kiste aus dem Regal ziehen.

Samstags stehen hier Leute im Hof, trinken ein Glas, unterhalten sich. Wir kennen viele inzwischen persönlich. Diese Nähe ist für uns ein großer Vorteil.

Ohne Energie läuft hier kein Sud

Timo Geibel: Wir als Maintal Werke verstehen uns als regionaler Versorger mit Nähe zu den Menschen. Seht ihr Parallelen zwischen Energieversorgung und Bierbrauen?

Peter Corell: Die Parallele ist eigentlich ganz konkret. Wir brauchen Gas für unseren Brenner, sonst können wir den Sud gar nicht fahren. Und wir brauchen Strom für die Kühlung.

Wenn das Kühlhaus voll ist und die Kühlung ausfällt, merkt man sofort, wie wichtig eine stabile Energieversorgung ist.

Markus Kirchgeßner: Ohne Gas und Strom von hier könnten wir gar nicht brauen.

Peter Corell: Genau. Das ist keine konstruierte Brücke. Das ist Realität.

Wenn samstags morgens um acht alles läuft – Gas, Strom, Kühlung – dann wird es ein guter Brautag.

„Wir wissen nicht, wie verrückt wir noch werden.“

Timo Geibel: Wenn ihr zehnjähriges Jubiläum feiert – steht hier dann immer noch dieselbe Anlage?

Peter Corell: Ehrlich gesagt wissen wir das nicht. Vor drei Jahren hätten wir uns das hier auch nicht vorstellen können.

Wir sind aktuell an unserer Kapazitätsgrenze. Aber wir müssen nichts hinterherlaufen. Wir haben keine Kredite abzubezahlen und keine Verpflichtungen, die uns zu Wachstum zwingen.

Das bedeutet: Wir können selbst entscheiden, welchen Weg wir gehen. Und das ist eine ziemlich komfortable Situation.

Die Energieformel von Hopfünf

Timo Geibel: Die Maintal Werke arbeiten mit dem Begriff der „Energieformel“. Wenn ihr eure eigene formulieren müsstet: Wie würde sie lauten?

Peter Corell: (lacht) Wir haben ja vorhin schon gesagt: „Mit Energie wird aus einer verrückten Idee leckeres Bier.“ – Das passt das ganz gut!

Wir brauchen Energie ganz konkret für den Brauprozess – ohne Gas und Strom gäbe es hier keinen Sud. Gleichzeitig ist es auch unsere eigene Energie: die Zeit, die Wochenenden und die Begegnungen mit den Menschen, die unser Bier probieren.

Markus Kirchgeßner: Am Ende ist es genau diese Mischung: Technik, Handwerk und Leidenschaft. Wenn das zusammenkommt, dann funktioniert das Ganze auch.

 

Vielen Dank, Peter und Markus – und natürlich dem gesamten Hopfünf-Team – für das offene Gespräch, die spannenden Einblicke und den herzlichen Empfang in eurer Braustätte. Und natürlich auch für das leckere Bier, das wir vor Ort probieren durften – schließlich versteht man gutes Brauhandwerk am besten im Glas. ; )

Was Hopfünf besonders macht, zeigt sich weniger in großen Worten als im gelebten Handwerk. In der Sorgfalt beim Brauen, im offenen Austausch mit den Menschen vor Ort und in der Freude daran, gemeinsam etwas Eigenes aufzubauen.

Fünf Freunde haben hier nicht nur eine Braustätte übernommen, sondern eine Idee weitergeführt: Bier von hier, gebraut mit Zeit, Erfahrung und viel Leidenschaft. Ein Beispiel dafür, wie regionale Unternehmenskultur entstehen kann – bodenständig, gemeinschaftlich und fest in Maintal verwurzelt. Und wer einmal samstags am Sudkessel vorbeigeschaut hat, weiß: Das schmeckt man auch.

Unternehmen –  Brauerei Hopfünf
Geschäftsführung –  Andreas Hemker und Markus Kirchgeßner
Ort  –  Maintal – Hochstadt
Leistungen –  Handwerklich gebrautes Bier in kleinen Chargen: Helles, Pils und Red Lager sowie saisonale Spezialitäten. Produktion, Abfüllung und Vertrieb in eigener Verantwortung.
Philosophie –  Bier von hier: gebraut mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – unfiltriert, unpasteurisiert und mit viel Zeit. Regionalität, Handwerk und Geschmack stehen im Mittelpunkt.
Besonderheiten –  Kleine Brauerei mit Wochenend-Braubetrieb, persönlichem Kontakt zu Kundinnen und Kunden und starkem Bezug zur Region. Hopfünf steht für authentisches Brauhandwerk, Gemeinschaft und gewachsene Bierkultur in Maintal.
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